Am 19.1. im Kinoptikum

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Sa. 15:30
KIDBUSTERS
KinderKino – DK 2017, 82 Min., Regie: Frederik Meldal Norgaard
Die unglaubliche Entführung eines Jünglings durch eine prekäre Teenagerbande (empf. ab 8 Jahren).
Weiterlesen... Vater sitzt im Gefängnis, ihre Mutter arbeitet sogar nachts, um über die Runden zu kommen. Und als ihr Vater endlich aus dem Knast entlassen wird, werden sie auch noch wegen ausstehender Mietzahlungen aus ihrer Wohnung geworfen. Ihr chaotischer Onkel Georg, bei dem sie unterkommen, hat einen Plan, wie sie zu Geld kommen können: Er will Bernhard, einen Jungen aus reichem Hause, entführen und Lösegeld erpressen. Bernhard aber, der immer alleine ist und endlich mal etwas erlebt, findet das ganz aufregend und gar nicht so schlimm. Aber dann verdirbt Bernhards zwielichtiger Butler alles… Ausblenden

Sa. 18:30
HAMBURGER GITTER
HeimatDoku – D 2018, 80 Min., Regie: Marco Heinig, Steffen Maurer, Luise Burchard
Der G 20-Gipfel als Schaufenster moderner Polizeiarbeit: Ein aufrüttelndes Dokument zum Zustand des Rechtsstaats - schon vor Zeiten des PAG.
Trailer zu HAMBURGER GITTER
Weiterlesen... Der Trailer von „Hamburger Gitter – Der G20-Gipfel als Schaufenster moderner Polizeiarbeit“ löst bereits ein beachtliches Interesse in den sozialen Netzwerken aus, wenige Wochen bevor sich die Ereignisse in Hamburg zum ersten Mal jähren. Der Film stellt das Vorgehen von Polizei und Justiz in den Mittelpunkt, 12 Expert*innen und 5 Betroffene ziehen darin Bilanz.

Der Film fragt: Welche Garantien des Grundgesetzes konnten rund um den G20-Gipfel standhalten? Mit welcher Leichtigkeit konnten die Behörden agieren? Welche Methoden der Ausnahmesituation werden langsam zur Normalität? Und welche Gesellschaft zeichnet sich da am Horizont ab? Antworten geben u.a. Rafael Behr (Prof. für Polizeiwissenschaft, Akademie der Polizei Hamburg), Christiane Schneider (Hamburger Bürgerschaft), Heribert Prantl (Chefredaktion Süddeutsche Zeitung); der Pressesprecher der Polizei Hamburg; der junge Aktivist Fabio V., der vier Monate in Untersuchungshaft saß, seine Anwältin und Vorstand im RAV, Gabriele Heinecke; sowie viele weitere aus Polizei, Medien, Wissenschaft, Justiz und Aktivismus.

Der Hintergrund: bis zu 170 Ermittler arbeiten an hunderten Verfahren gegen militante Demonstranten und Menschen die sich an Ausschreitungen und Plünderungen beteiligten. Harte Strafen wurden gefordert und in bisher über 40 Fällen auch verhängt. Der Staat verlor im Sommer 2017 die Kontrolle in Hamburg und versucht sie nun zurückzugewinnen. „Mit allen Mitteln“, war selten so wörtlich zu nehmen wie im Fall der G20-Verfahren. Eine Öffentlichkeitsfahndung von noch nie dagewesenem Ausmaß stellte über zweihundert Menschen mit vagen Verdachtsmomenten „an den Pranger“ und die Boulevard-Presse „spielte den Hilfssheriff“. 30 Wohnungen und Häuser wurden mit hoch bedenklichen Begründungen durchsucht und ein linkes Medienportal vom Innenminister verboten.

Eine Redaktionsgruppe des Videokollektivs „leftvision“ ging der Frage nach, ob die Befugnisse der Sicherheitsbehörden auf den Prüfstand gehören? Droht die Gefahr, dass bei echten politischen Krisen alle Dämme des Rechts brechen, die den Bürger vor staatlicher Willkür schützen sollten? 13 Kameraleute filmten das Material während der G20-Tage welches ein umfangreiches und detailliertes Panorama in diesem Dokumentarfilm ermöglicht. Einschätzungen von 17 Protagonist*innen bilden den inhaltlichen Faden eines Films der weit über die Ereignisse vom Juli 2017 hinaus geht.
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Sa. 21:00
JULIET, NAKED  OmU
USA 2018, 105 Min., Regie: Jesse Peretz
mit Ethan Hawke, Rose Byrne, Chris O’Dowd
Die lässige Leinwandadaption eines Nick Hornby Romans über ein Paar, dessen Leben durch das Auftauchen eines abgehalfterten Rockstars neuen Schwung erfährt.
Trailer zu JULIET, NAKED
Weiterlesen... Im November 2003, als sechstes Album der Reihe aus Veröffentlichungen von Beatles-Platten aus dem Nachlass, erschien »Let it be... Naked«. Es war der Versuch, das von Phil Spector mit Orchester- und Choraufnahmen durchproduzierte letzte Album der Beatles zu seinen Ursprüngen zurückzuführen. Schon die Aufnahmen des Originalalbums waren in der Band selbst umstritten. Während Paul McCartney aufseiten der kargen Arrangements stand und meinte, die Spector-Version klänge »schauderhaft«, verteidigte John Lennon Spectors Arbeit. Nick Hornby ist ein großer Musik-Kenner, ganz besonders was die Beatles anbetrifft. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass er nicht an diese Auseinandersetzung gedacht hat, als er »Juliet, Naked« schrieb. Neben der feinfühligen Liebesgeschichte, die der Roman erzählt, geht es erneut um Musikrezeption. Um manische Fans und deren Auslegung der möglichen Absichten eines Künstlers und um die so erzeugte, oft unüberwindbare Diskrepanz.
Im Roman ist der fiktive Singer-Song­writer Tucker Crowe, ähnlich wie Sugerman Rodriguez, ein Mysterium. Irgendwann einfach verschwunden, hinterlässt er kaum mehr als ein paar Handvoll Fans, die versuchen, das Geheimnis zu lösen. Die Erkenntnis, dass es überhaupt kein Geheimnis gibt, wäre der Wärmetod all dieser Fanbewegungen. Insofern ist Duncan (Chris O'Dowd) als Chef eines Onlineforums zu Tucker Crowe (Ethan Hawke) und dessen größter Fan und Kenner das Zentrum der Handlung. Eines Tages flattert ihm eine CD mit den unbearbeiteten Uraufnahmen des letzten Tucker-Crowe-Albums »Juliet« ins Haus. Seine Freundin Annie (Rose Byrne) nimmt sie entgegen und kann sich nicht zurückhalten. Sie hört sich die Aufnahmen an und findet das Ergebnis – fade. Natürlich, denn wie könnten diese kargen Lieder besser sein als die fertigen, noch einmal überarbeiteten hochproduzierten Songs. Duncan hingegen ist beglückt. Das ist die Essenz, das reine Tucker-Crowe-Gefühl. Nur dass Annie ihre Meinung schon auf die Forumsseite gepostet hat. Was nun folgt, ist aber keine simple Liebesgeschichte, sondern eine witzige Be­gegnung von Fan und Künstler, zwischen denen bezeichnenderweise eine Frau als lebendes Bild der Erotik steht.
Der Amerikaner Jesse Peretz, der schon Ian McEwans »First Love, Last Rites« verfilmte, hat den Stoff in seiner Gewichtung etwas verschoben. Die Auseinandersetzungen über den Mythos Popmusik und deren Rezeption rücken etwas an den Rand, das Zentrum bildet nun die Beziehung zwischen Annie und Tucker, die sich nach einem ausgiebigen Mailwechsel auch persönlich kennenlernen. Er selbst hält seinen Kram für Müll und spielt, bei der Eröffnung einer Ausstellung zum Jahr 1964, lieber »Waterloo Sunset« von den Kinks. In dieser Szene aber wird deutlich, was passiert, wenn man Musik einsetzt. Zu Beginn des Stückes sieht man – authentisch – Tucker am E-Piano sitzen. Der Klang ist dünn, sehr individuell. Dann verändert sich die Szene, und die Musik wird voluminöser, man hört Gitarren, Schlagzeug etc., also einen Sound, der nicht mehr durch die Szene motiviert ist. Die Musik beginnt eine eigene Botschaft zu transportieren. Und der Streit um reine, klare oder überarbeitete, produzierte Songs löst sich auf. Danach geht es dann nur noch darum, ob Annie und Tucker ein Paar werden können oder nicht.
Die schlichte Erzählweise, die Peretz einer großen Inszenierung vorzieht, trägt dem Rechnung. Er kann sich auf den Wortwitz verlassen, den Nick Hornby vorgibt und der im Film wunderbar weiterentwickelt wird. Kein Satz, der einfach nur das sagt, was er ausdrücken will, immer gibt es eine witzige, schräge Formulierung, Anspielung oder komische Wendung. In der subtilen Art, wie Hornby seine Komödien gestaltet, so dass auch das Tragische in ihnen Platz hat, verfährt auch der Film. Und den Soundtrack möchte man ohnehin gleich mit nach Hause nehmen. (epd-film)
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