Am 13.1. im Kinoptikum

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So. 11:00
SCHLUCHTENFLITZER
Heimatkino auf Zelluloid – D 1979, 113 Min., Regie: Rüdiger Nüchtern
mit Hans Kollmannsberger, Hans Brenner, Ruth Drexel, Eva Matthes
Da Capo: Aufgrund des überwältigenden Ansturms nochmals die nostalgische Milieustudie in einer bestens erhaltenen 35mm-Kopie.
Trailer zu SCHLUCHTENFLITZER
Weiterlesen... Mit Laiendarstellern erzählt der Film die Geschichte einer unglamourösen Clique von Provinzjugendlichen, die mit frisierten Mopeds zur Dorfdisco flitzen und vom großen Aufbruch träumen. Im Mittelpunkt steht der Schreinerlehrling Andy. Er streitet mit seinen Eltern, sehnt sich nach Unabhängigkeit und lernt in einem Tanzschuppen Roswitha, ein Mädchen aus München kennen – seine erste Liebe, die sich jedoch nicht fest an ihn binden will. Als Andys Vater durch einen Leitersturz überraschend stirbt, muss er sich entscheiden, denn seine Mutter drängt ihn, den Hof zu übernehmen. Andy widerspricht: "Ich möcht frei sein, so richtig frei". Ausblenden

So. 15:30
KIDBUSTERS
KinderKino – DK 2017, 82 Min., Regie: Frederik Meldal Norgaard
Die unglaubliche Entführung eines Jünglings durch eine prekäre Teenagerbande (empf. ab 8 Jahren).
Weiterlesen... Vater sitzt im Gefängnis, ihre Mutter arbeitet sogar nachts, um über die Runden zu kommen. Und als ihr Vater endlich aus dem Knast entlassen wird, werden sie auch noch wegen ausstehender Mietzahlungen aus ihrer Wohnung geworfen. Ihr chaotischer Onkel Georg, bei dem sie unterkommen, hat einen Plan, wie sie zu Geld kommen können: Er will Bernhard, einen Jungen aus reichem Hause, entführen und Lösegeld erpressen. Bernhard aber, der immer alleine ist und endlich mal etwas erlebt, findet das ganz aufregend und gar nicht so schlimm. Aber dann verdirbt Bernhards zwielichtiger Butler alles… Ausblenden

So. 18:00
THE GUILTY
DK 2017, 85 Min., Regie: Gustav Möller
mit Jakob Cedergren
Nicht auflegen: Ein Polizist in der Notrufzentrale von Kopenhagen erhält einen verzweifelten Anruf. Fulminanter und komplexer Ein-Personen-Thriller!
Trailer zu THE GUILTY
Weiterlesen... Asger (Jakob Cedergren) arbeitet in der Notrufzentrale der dänischen Polizei. Nicht ganz freiwillig ist er aus dem Außendienst ans Telefon versetzt worden, am nächsten Tag muss er sich vor Gericht für einen Vorfall verteidigen, der seine Urteilskraft anzweifeln lässt. Doch heute Abend nimmt er noch Notrufe entgegen, die er eigentlich nur aufnehmen und bei Bedarf einen Streifen- oder Krankenwagen vorbeischicken soll.
Doch Asger kann nicht anders, als mehr zu tun. Und so gibt er auch nicht so schnell auf, als er einen Moment Iben in der Leitung hat, eine verängstigte Frau, die angibt, dass sie gerade von ihrem Ex-Mann entführt wird. Frei sprechen kann sie nicht, doch Asger ist ein cleverer Polizist und entlockt ihr wertvolle Hinweise. Doch die Farbe des Autos reicht nicht und so ruft er bei der Frau zu Hause an und hat plötzlich ein weinendes Kind am Apparat.
Immer weiteren Hinweisen geht er nach, informiert die Einsatzleitung, aber auch seinen ehemaligen Partner Rashid, den er kurzerhand dazu auffordert, ins Haus eines Verdächtigen einzubrechen. Alles, um einer Frau zu helfen. Doch immer deutlicher wird, wohin dieses überschreiten von Grenzen Asger geführt hat, dass er zwar versucht, seinen Job zu tun, dass er aber auch selbst Schuld auf sich geladen hat.
Schon beim ersten Notruf, bei dem man Asger zuhört wird deutlich, dass dieser Mann nicht ganz unkompliziert ist: Ein Mann ruft da an, meldet einen Unfall, wirkt überdreht. Schnell merkt Asger, dass der Mann unter Drogen steht und meint dazu nur trocken: Da sind Sie ja dann ein wenig selber schuld, oder? Später wird er eine Frau anmotzen, die wegen eines im betrunkenen Zustand erlittenen leichten Fahrradunfall nach einem Krankenwagen verlangt, während Asger gerade mit zunehmender Verzweiflung versucht, eine Entführung aufzuklären, die längst nicht mehr unblutig verläuft.
Während seine Kollegen ihm immer wieder sagen, er solle sich raushalten, nur seine Pflicht tun, kann Asger nicht anders, als sich einzubringen, als die Sache zu lösen. Nur: Was genau ist die Sache? Wie viel von dem, was sich da draußen abspielt, ist tatsächlich so, wie es Asger glaubt? Genau wissen kann er es nicht, er interpretiert nur, setzt aus den Informationsstücken, die er nach und nach bekommt, eine Wahrheit zusammen, seine Wahrheit, die jedoch nicht die ganze Wahrheit ist.
Enorm effektiv offenbart Gustav Möller in seinem ersten Langfilm nach und nach neue Details, die den Fall, vor allem aber Asgers Charakter, komplexer und ambivalenter erscheinen lassen. Nie verlässt er dabei die Notrufzentrale, bleibt stets bei seinem brillanten Hauptdarsteller Jakob Cedergren, auf dessen expressivem Gesicht, vor allem aber in dessen Kopf, wo sich der ganze Film abspielt.
 
So reduziert waren selbst vergleichbare Filme wie „Phone Booth“, „Buried“ oder „Locke“ nicht, die respektive in einer Telefonzelle, einem Sarg oder einem Auto spielten, aber viel mehr visuelle Spielereien bemühten, um die Spannung zu halten. „The Guilty“ dagegen lebt nicht nur von der extremen Ausgangssituation, sondern von der psychologischen Komplexität, die zunehmend deutlich wird: Asger will Gutes tun, will seinen Beruf nicht nur nach Vorschrift erfüllen, sondern darüber hinausgehen, doch was, wenn er dabei das Gegenteil bewirkt und er selbst zum Schuldigen wird? (programmkino.de)
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So. 20:30
CHAMPAGNER & MACARONS  frz. OmU
F 2017, 98 Min., Regie: Agnès Jaoui
mit Agnès Jaoui, Jean-Pierre Bacri, Sarah Suco
Eine bissige und höchst vergnügliche Ensemble-Komödie rund um eine feudale Gartenparty der Hautevolee.
Trailer zu CHAMPAGNER & MACARONS
Weiterlesen... Vor den Toren von Paris steht eine große Einweihungsparty an, zu der Nathalie (Léa Drucker), eine viel beschäftigte TV-Produzentin,  geladen hat. Da sie viele berühmte Menschen aus TV, Film, Politik und der besseren Gesellschaft kennt, findet sich eine illustre Gästeschar ein. Darunter Castro (Jean-Pierre Bacri), einer ehemaliger Star-Moderator im französischen Fernsehen. Dessen Ex-Frau Hélène (Agnès Jaoui), die gleichzeitig die Schwester von Nathalie ist, nutzt die Feier um Werbung für ihr neustes Flüchtlingsprojekt zu machen. Deren Tochter Nina (Nina Meurisse) wiederum steht kurz vor ihrem Durchbruch als Schriftstellerin. In ihrem Debütroman lässt sie allerdings kein gutes Haar an ihren Eltern. Und dann wären da zum Beispiel noch die ehemalige Wetterfee Vanessa (Héléna Noguerra) und der Social-Media-Influencer Biggiestar (Yvick Letexier), die die Party gehörig aufmischen.
Agnès Jaoui ist in Frankreich als Darstellerin bereits seit den späten 80er-Jahren erfolgreich, international bekannt wurde sie vor allem mit der Komödie „Schau mich an“ (2004). Darin spielte sie die Hauptrolle und verfasste das Script, für das sie den Europäischen Filmpreis erhielt. Mit ihrem aus prominenten französischen Schauspielern bestehenden Cast drehte sie „Champagner und Macarons“ in der 1500 Einwohner zählenden Gemeinde Saint-Rémy-l’Honoré. Am Drehbuch schrieb auch Jean-Pierre Bacri mit.
Unserer schnelllebigen, auf Konsum und Materialismus ausgerichteten Gesellschaft den Spiegel vorhalten und hinter die glattpolierten, oberflächlichen Fassaden der Stars und Sternchen blicken – diese Ziele verfolgt Agnès Jaoui mit ihrem neuesten Werk. Beides erreicht sie deshalb so gut, da sie die gut situierte Prominenz als ganz normale Menschen mit Ängsten und Schwächen entlarvt. Deutlich werden deren Nöte jedoch oft nur in den intimen Gesprächen zwischen (meist) zwei Personen, denen sich Jaoui gewissermaßen still und heimlich mit der Kamera nähert.
Da ist zum Beispiel Castro, der in der Masse stets den Schein des selbstbewussten, einflussreichen Moderators wahrt. In den vertraulichen Momenten, etwa wenn er sich mit der Gastgeberin unterhält, kommen seine Verbitterung, Ich-Bezogenheit und wahren Ansichten zum Vorschein: Er kämpft verbissen gegen das Älterwerden an, gönnt anderen ihren Ruhm nicht und kann sowieso nicht akzeptieren, dass seine größten Erfolge in Wahrheit schon lange zurückliegen. Die Tatsache, wie stark unser Sozialverhalten und das Erleben bestimmter Ereignisse bzw. Situationen mittlerweile von den sozialen und modernen Medien bestimmt wird, manifestiert sich im Film durch die Figur der ungeschickten Kellnerin (herrlich überdreht: Sarah Suco).
Sie kann gar nicht glauben, wie viele bekannte Gesichter sich auf der Party tummeln und zückt daher praktisch minütlich ihr Smartphone, um bloß auch jeden Moment für die Ewigkeit festzuhalten. Vor allem auf Selfies mit den VIPs hat sie abgesehen, die anschließend natürlich in den sozialen Netzwerken geteilt werden. Auch diesen Aspekt thematisiert „Champagner und Macarons“ damit auf bissige, bewusst überzogene Weise: Unseren allgegenwärtigen Veröffentlichungs- und Posting-Wahn, der dafür sorgt, dass der Augenblick nicht genossen und bewusst erlebt wird.
Einzig vorwerfen kann man Jaoui, dass sie hier und da den erzählerischen roten Faden zu verlieren droht. Grund dafür ist die hohe Zahl an Erzählsträngen, Einzelschicksalen und beteiligten Figuren. Ausgeglichen wird dies jedoch durch die spielfreudigen, blendend aufgelegten Darsteller, die ihre Rollen glaubhaft verkörpern und denen Jaoui rasiermesserscharfe Dialoge in den Mund legt. (programmkino.de)
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